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JOSEF FLOCH
Wien 1894 – 1977 New York
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REST, 1956
Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm
Signiert rechts unten: Floch
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„Rest“, von dem es auch eine zweite Version gibt (WVZ Nr. 567), zeigt eine junge Frau, die sich auf der Dachterrasse von Flochs New Yorker Atelier sonnt, während vor ihr ein Baby am Boden sitzt. Dahinter sind der Kopf eines zweiten Kindes sowie in einiger Entfernung die Rückenfigur einer stehenden Frau erkennbar. Als Abschlussfolie dient eine Gruppe von Hochhäusern in sich nach oben leicht verjüngender, monumental wirkender Weitwinkeloptik.
Der Künstler kombiniert zwei Elemente aus früheren Jahrzehnten seines Schaffens: Dem klassizistischen Figurenideal der Zwischenkriegszeit verdankt sich die ausruhende Frauengestalt mit nacktem Ober- und verhülltem Unterkörper, die an die Posen antiker Göttinnen erinnern, sowie generell das traditionelle Thema „Mutter mit Kind“. Die Skyline im Hintergrund knüpft hingegen an die realistischen Dachlandschaften von Manhattan aus den 40er Jahren an, wobei das Liniengerüst abstrakter und der Farbauftrag insgesamt freier und fleckiger geworden ist. An der Hochhausarchitektur interessieren Floch vor allem die geschlossenen Fronten und Vertikalen, welche mit der Horizontalität des klassischen Frauenaktes im Vordergrund kontrastiert und dem alten Gegensatzschema von weiblicher passiver Natur und männlicher aktiver Technik folgt. Die traditionelle Harmonie der Gegensätze ist jedoch längst zerbrochen: Keine Person kommuniziert mit der anderen, Mensch und Architektur gehören verschiedenen Sphären, wenn nicht gar Epochen an und bilden getrennte Einheiten. Floch beschreibt das Bild einer „leisure class“ aus isolierten, ihre Freizeit genießenden Individuen, die er zu statuarischer Größe aufbaut und zugleich ihre existenzielle Einsamkeit enthüllt.

Anselm Wagner

Literatur: Karl Pallauf: Josef Floch. Leben und Werk. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag. Wien 2000, WVZ Nr. 506, Farbabb. S. 310.